Meta-Technikkritik² – oder: Begriffskritik der Technikkritik

Das Internet als Metamedium begünstigt Metadiskussionen ja ungemein. Denn in ihm treffen Meinungsäusserungen unterschiedlichster Ebene, Form, Tiefe und Perspektive unmittelbarer als irgendwo sonst aufeinander – noch dazu wird es selbst gerade erst gesellschaftlich erschlossen und liefert sich mit seinen universellen Anwendungsmöglichkeiten und tiefgreifenden gesellschaftlichen Einflüssen selbst ein lohnendes Gesprächsthema. Ausgehend von Kathrin Passigs Kritik der zeitgenössischen Technikkritik in einem Essay für die Zeitschrift Merkur hat sich auch Spreeblicks Frédéric Valin zu diesem Thema zu Wort gemeldet. Und versucht es mit dem Lösungswort „Meta“: Die Technik soll lösen, was die auf sie gerichtete Kritik als Problem erkannt hat. Ob die Technikkritiker da mitgehen?

Ich möchte jedenfalls noch einen anderen Aspekt in die Runde werfen, und zwar eine kritische Betrachtung des Begriffs „Technikkritik“.

Gerade Kommunikationstechnologien zeichnet die Offenheit der Anwendungen aus. Es ist doch bezeichnend, wie die „Sozialisierung“ des Netzes und zunehmende Schwierigkeiten einer langfristigen Technikfolgenabschätzung für das Internet (Yay! Bürokratendeutsch ftw!) Hand in Hand gehen. Je stärker der Fokus weg von der mittlerweile ausgereiften technischen Grundlage und hin zur Anwendung, dem Netz als technologischer Erweiterung und Verstärkung bestehender gesellschaftlicher Strukturen, geht, desto absurder erscheint mir dabei das Selbstverständnis einer „Technikkritik“.

Selbst Verleger wollen das Internet nicht verbieten, sondern seine Anwendung durch allerlei lustige Einfälle wie neuartigen Leistungsschutzrechten nach ihrer Vorstellung beeinflussen und reglementieren.

Es muss also nicht um eine Technikkritik gehen, sondern um eine Anwendungskritik. Diese Unterscheidung mag haarspalterisch sein bei Technologien wie der Eisenbahn oder genmanipulierter Nahrung, bei denen potentielle Nutzen und Risiken zwar Gegenstand einer Kontroverse zwischen Befürwortern und Skeptikern, unbeschadet dessen jedoch einigermaßen klar eingrenzbar sind und in einem festen Zusammenhang stehen. Bei einer offenen Technologie, deren Nutzen und Risiken sich erst innerhalb verschiedenster Anwendungen ergeben, markiert diese Unterscheidung meiner Meinung nach die Grenze zwischen einer konstruktiven, gesamtgesellschaftlichen Debatte und einem Aneinander-Vorbeireden mit gedrückter Repeattaste.

Wer – beispielsweise – der mal mehr, mal weniger reflektierten Meinungsflut im Netz und ihrer Gruppendynamik mit Technikkritik statt mit ganzheitlicher Gesellschaftskritik begegnet, hat nicht erkannt, dass das Internet nur unterschiedlichste Arten der menschlichen Kommunikation an einem gemeinsamen Ort sichtbar macht. Wer immer kürzere Nachrichtenzyklen und ständige Erreichbarkeit allein der modernen Kommunikationstechnik anlastet, ignoriert, dass sich Handys, Fernseher und Laptops ausschalten lassen und das Netz nicht nur einen Wert der Aktualität kennt, sondern auch Inhalten mit Qualität und Tiefe neue Chancen bietet, da es als Trägermedium keine Periodizität kennt und auch solche Inhalte langfristig in einen relevanten Zusammenhang stellen kann. Diese Erkenntnis mag noch nicht bei jedem Journalisten oder Verleger angekommen sein - das ist aber kein technisches, sondern ein kulturelles Problem.

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Social Networking: Haben Twitter und Faceboook ihren Höhepunkt überschritten?

@Martin Weigert: Im Internet ist nix zementiert. Wie der Lock-In-Effekt durch andere Anbieter aufgelöst werden kann? Durch offene Standards. :)

Mag sein, dass meine Einschätzung vor allem von meinen Wunschvorstellungen geleitet ist, aber ich bin ziemlich fest davon überzeugt, dass es trotz allem Sträubens der Diensteanbieter letzten Endes auf eine offene Infrastruktur und ein vielfältiges Angebot von kleineren und größeren spezialisierten Plattformen hinauslaufen wird. Die Struktur des Netzes begünstigt solche Entwicklungen langfristig einfach. Den ganzen Beitrag lesen »

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