Free the Music (Update)

Last.fm auf einer Squeezebox von Logitech / Slim DevicesFoto: tihakkar @ flickr.com, mit freundlicher Genehmigung

Ich liebe Last.fm. Das könnte angesichts des aktuellen Themenschwerpunkts in diesem Blog überraschen, ist doch das Hauptprinzip dieser sozialen Musikplattform die automatische Protokollierung des eigenen Hörverhaltens, also quasi der gläserne Musikkonsument. Aber das geht in Ordnung, solange ich entscheiden kann, welche persönlichen Daten ich hergebe und Transparenz herrscht. Die schöne neue Welt des versionierten Webs lebt nun mal gerade von diesen Benutzerinhalten, von der Interaktion des Nutzers, von der virtuellen Abbildung sozialer Netzwerke, von der semantischen und geographischen Verknüpfung von Inhalten und bisweilen auch von der subjektiven Sicht auf die Dinge.

 

Fair Play

Last.FM’s Web-APIs sind öffentlich, der offizielle Client ist Open Source, alle öffentlich zugänglichen, nutzergenerierten Daten in Wikis und Datenfeeds stehen unter freien Nutzungslizenzen. Einziger Wermutstropfen: Die Daten der anonymisierten Gesamtstatistiken bleiben seit dem Aufkauf der Jungs und Mädels durch CBS strikt unter Verschluss. Das ist Schade, aber absolut nachvollziehbar angesichts der Tatsache, dass diese Daten das wertvollste Gut des Unternehmens darstellen.

 

All Your Music Are Belong to Us *

Im Moment startet Last.fm gerade ziemlich durch. In den letzten Monaten konnte der Dienst seinen Musikbestand durch neue Vereinbarungen mit den verschiedenen Labels beträchtlich erweitern, seit einiger Zeit können auch Musikvideos abgerufen werden. Anfang dieses Jahres kündigte die Internetplattform einen On-Demand-Service für Abonnenten an, der auch gleich mal ein meiner Meinung nach richtungsweisendes neues Vertriebs- und Entlohnungsmodell für Musiker einführt und sich derzeit in der Testphase befindet.** Vor wenigen Tagen wurde eine neue Version der Web Services eingeführt, die Drittanwendungen den Lese- und Schreibzugriff auf die Nutzerdaten ermöglicht. Dazu steht die Plattform auch noch kurz vor einem umfassenden Relaunch.

 

Free the Music

Das bedeutendste an der Ankündigung des neuen On-Demand-Dienstes ist meiner Meinung nach Last.fm’s Absicht, auch Kleinstlabels und freien Künstlern zu ermöglichen, direkt und unter Umgehung der Major-Labels ihre Inhalte einem gigantischen Publikum zur Verfügung zu stellen und dafür auch direkt und unmittelbar auf Basis der Hörerzahlen vergütet zu werden.

Mag sein, dass ich etwas zu euphorisch bin, aber ich glaube dass Last.FM mit diesem Schritt tatsächlich eine kleine Revolution in der Musikindustrie einleiten könnte, und der Zeitpunkt dafür wäre kein Zufall. Denn genau jetzt sind zum ersten mal die Vorraussetzungen für einen solchen grundlegenden Wandel gegeben: Die Produktionstechniken für audiovisuelle Medien haben sich durch die Digitalisierung demokratisiert; Man kann heutzutage mit einem Bruchteil der früheren Kosten Ergebnisse mit professioneller Qualität erzielen. Mit sozialen Internetdiensten wie Last.fm sind Musiker in der Lage, auch ohne ein riesiges Marketing-Budget Millionen von Menschen erreichen. Selbst wenn sie nur einen Nischengeschmack bedienen und ihre Hörer weit über den Globus versprengt sind, haben sie mit neuartigen Vertriebsmodellen wie jenem bei Last.fm die Chance, mit ihrer Musik ihr Einkommen zu sichern.

 

One More Thing

Die offenen Schnittstellen von Last.FM bringen mit sich, dass es für fast jede Plattform und alle möglichen Endgeräte einen Last.fm-Client gibt. Für entsprechend modifizierte iPhones gibt es seit einiger Zeit schon eine ziemlich schicke Anwendung namens MobileScrobbler, und auch im AppStore für Apples mobile OSX-Plattform wird Last.fm nicht fehlen:

Last.fm auf dem iPhone: Tag-RadioLast.fm auf dem iPhone: Now PlayingLast.fm auf dem iPhone: Artist Bio

Die offizielle Last.fm-Anwendung für iPhone und iPod touch stammt vom MobileScrobbler-Entwickler Sam Steele, wird kostenlos als OpenSource*** veröffentlicht werden und entspricht in ihrem Funktionsumfang weitgehend dem inoffiziellen Vorgänger - mit der entscheidenden Einschränkung, dass nur noch über die Anwendung gespielte Musik „gescrobbelt“, also in das eigene Profil aufgenommen wird.

 

* [sic]

** Update: Seit dem 1. Juli läuft das „Artist Royalty Program“, zu dem sich auch unabhängige Musiker anmelden können. Die Einnahmen stammen vorerst nur aus den Werbeerlösen; Wann der ebenso angekündigte kostenpflichtige, aber werbefreie und unlimitierte On-Demand-Service für Abonnenten startet, wurde noch nicht bekannt gegeben.

*** Dies erlaubt aufgrund der Signing-Mechanismen für SDK-Applikationen Drittentwicklern jedoch nicht, modifizierte Versionen der offiziellen Anwendung zu nutzen - zumindest nicht auf dem vorgesehenen Wege.

Geschrieben in Allgemeines, Software

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  1. [...] kurzem noch habe ich über die Aufbruchstimmung bei der sozialen Musikplattform Last.fm geschrieben. Inzwischen ist der angesprochene Relaunch des [...]

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